: » Geburtstag » Geburtstagsgedichte » Mensch-wirst-du-alt
Mensch wirst du alt
Triffst Du mal ne bekannte Dame
mein Gott, wie war doch gleich der Name?
Tausend Erinnerungen kommen
bist auf den Namen nicht gleich gekommen.
Du hast sie einzeln aufgezählt;
der Name nur, der fehlt.
Da ruft es aus dem Hinterhalt:
Mensch, Du wirst alt!
Vom zweiten Stock steigst du hinunter,
trittst auf die Strasse, frisch und munter;
doch plötzlich fragst Du Dich verdrossen:
Hab ich auch wirklich zugeschlossen?
Du könntest schwören viele Eide,
steigst dennoch rauf, Dir selbst zum Leide.
Da ruft es aus dem Hinterhalt:
Mensch, Du wirst alt.
Brauchst Du mal etwas aus dem Schrank,
der gut gefüllt ist- Gott sei Dank,
kaum hast geöffnet Du die Tür,
da fragst Du Dich: Was wollt ich hier?
Verstört bist Du, dass in Sekunden,
das, was Du vorhast, ist entschwunden.
Da ruft es aus dem Hinterhalt.
Mensch, Du wirst alt
Und kommst Du mal woanders hin,
bewegst Du gleich in Deinem Sinn,
Dein Sparbuch bestens zu verstecken,
damit kein Dieb es kann entdecken.
Brauchst Du dann Geld, hast Du indessen,
den heimlichen Platz total vergessen.
Ei Gott, stöhnst Du, ganz starr vor Schreck.
Was soll ich tun? Mein Geld ist weg!
Da ruft es aus dem Hinterhalt:
Mensch, Du wirst alt.
Benutzt Du mal Dein Bügeleisen,
anschließend gehst Du gleich auf Reisen,
drei Wochen bangst Du – ungelogen,
hab ich den Stecker rausgezogen?
Sitzt etwa der noch in der Wand?
Bin ich am Ende abgebrand?
Da ruft es aus dem Hinterhalt:
Mensch, Du wirst alt
Zum Frühstück nimmst Du drei Tabletten,
die sollen Dein Gedächtnis retten.
Du fragst Dich plötzlich ganz beklommen:
Hab ich sie eigentlich genommen?
Ja, ist mein Denken noch dicht?
Und zweimal nehmen darf ich nicht!
Da ruft es aus dem Hinterhalt:
Mensch, Du wirst alt.
Maschinen kann man reparieren
und das Getriebe ölig schmieren.
Wenn mal der Fernseher kaputt,
ein kleiner Chip, schon ist es gut.
Doch wenn der Kalk im Hirn sich dichtet,
gibt’s nichts mehr, was das Dunkel lichtet.
Da fällt Dir die düstre Stimme ein:
Mensch find Dich drein!
