Ein Herz aus Gips

Damals, in den Nachkriegsjahren
hatten Kinder noch kein Geld.
Wir malten Blumen auf’s Papier
und hofften,
dass Mütterlein das Bild gefällt.

Heimlich pflückten wir für Mutter
einen Strauß Vergissmeinnicht
und lernten
in der Schule
mit Frau Lehrer ein Gedicht.

Später, als ich größer war,
ein paar Groschen schon mein eigen nannte,
zum Muttertag
voll Stolz
ich hin zu unserm Kaufmann rannte.

Lange, lange suchte ich –
es sollt‘ was ganz Besondres sein –
da entdeckte ich
aus Gips
ein Herz, schneeweiß und rein.

Ein kleines Herz schien mir zu sein
Symbol der eignen Liebe.
Ich gab es Mutter mit den Worten,
dass ich ihr ewiglich
in Lieb verbunden bliebe.

Viele Jahre später
Mutter lachend mir gestand:
das Kitschigste in ihrem Leben,
das ihr jemals ward gegeben,
sei gewesen jenes Liebespfand,
jenes weiße Herz aus Gips.

Dann öffnet lächelnd
sie die Lade.
Da liegt in Samt gebettet,
an einem Ehrenplatz,
dieses kleine Herz
gleich einem
großen Schatz.

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