Der TOT

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Ich halte es langsam nicht mehr aus, dachte ich und drückte erneut auf meinen Wecker, woraufhin er aufleuchtete.
Er zeigte 00:23 Uhr.
Das hätte ich mir ja denken können, erst zehn Minuten später als vorhin.
Ich drehte mich um und starrte die dunkle Wand an.
Schrecklich war es.
Wieso konnte ich nicht schlafen? Seit 21 Uhr lag ich jetzt schon wach da. In meinem Zimmer, indem ich immer so gut geschlafen hatte. Lag es an der neuen Bettwäsche? Ich zog die Decke mit dem Motiv meines Lieblingsfußballvereins näher zu mir und roch vorsichtig daran.
Sie war gleich wie alle meine anderen Bettwäschen. Sie fühlte sich so an und roch auch so.
Da fielen mir Omas Worte ein: „Ach, ich schlaf selten gut nachts, aber ich nehme doch keine Schlaftabletten! Nein, nein, ich trink lieber eine warme Milch mit Honig!“
Ich hüpfte aus dem Bett und schlich langsam in die Küche. Gut, dass meine Eltern ganz wo anders schliefen, denn so konnte ich unbemerkt eine warme Milch machen…
Was redete ich denn da? Ich wusste doch gar nicht, wie das geht!
Ich sah aus dem Fenster. Die Straßen waren dunkel und wurden an einigen Stellen von den großen Straßenlaternen beleuchtet.
Der Wind musste stark sein, denn die Äste der alten Eiche wanken mir zu.
Ich beschloss, nach draußen zu gehen.
Wenn ich etwas frische Luft geschnappt hatte, würde ich sicher besser schlafen.
Also zog ich meine Schuhe an und lief nach draußen.
Direkt neben unserem Haus war der Friedhof, der bei uns nur den Namen „der Ort des toten Grauens“ hieß.
Warum, wussten wir selbst nicht.
Ich lief gerade am großen Eisentor vorbei, als ich zwei Stimmen hörte.
Die eine sagte: „Ich weiß, das es schwierig ist, doch dein Leben hat auch einmal ein Ende. Die Zeit ist gekommen! Ich bin der Tod und ich bin hier um dich zu holen!“
Die andere Stimme, offenbar eine Frau sagte: „Niemals! Mein Leben ist noch nicht zu Ende! Ich will leben! Und du kannst mir das Leben nicht nehmen!“
Das ganze fing an, mich zu interessieren.
Ich öffnete das Eisentor. Die Kerzen auf den Gräbern leuchteten rot, ich konnte deutlich eine traurige Melodie hören.
In der Leichenhalle stand ein Sarg aus schwarzem Ebenholz. Er glänzte und reflektierte das rote Licht der Kerzen.
Neben dem Sarg stand eine junge Frau.
Ich hatte sie schon oft gesehen.
Sie fiel mir auf, weil sie so schön war. Ihre blauen Augen waren von Angst erfüllt, neben ihr stand eine dunkle Gestalt in einem schwarzen Mantel.
In seinen blassen Händen hielt er eine riesige Sense.
Er holte mit dieser weit aus und stach sie der jungen Frau mitten ins Herz. Sie schrie laut auf.
Mein Herz blieb stehen, als ich sah, dass die junge Frau zu Staub zerfiel.
Nun drehte sich der Tod um. Er sah mir direkt in die Augen. Seine Augen leuchteten gespenstisch rot. Roter als die Kerzen und roter als alles andere das ich je gesehen hatte. Sein Blick fesselte mich, ich konnte mich nicht bewegen. Mir lief es kalt den Rücken runter, bis ich plötzlich nur noch schwarz sah.
Aber bewusstlos war ich nicht. Alles war dunkel, seine Augen leuchteten nicht mehr. Nichts leuchtete mehr.
Alles war leer, leise, dunkel.
Wo war ich?
Ich hörte eine Stimme: „Ich bin der Tod und habe dich zu mir geholt!“

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