Ostergedichte

Die Passionsblume

Grimm durchbohrt von spitzen Nägeln, dorngekrönt das hehre Haupt,
Hing der Heiland an dem Kreuze, schmerzdurchzuckt und trostberaubt;
Höhnend lächeln nur die Juden, wie er leidet heiße Qual,
Einzig eine liebe Blume blickt voll Leid zum Kreuzespfahl.

Und sie rankt sich kühlend, lindernd hoch empor am blut’gen Pfahl,
Rührt Hände, rührt die Lippen ihres Schöpfers voller Qual,
Daß sie länger nicht mehr brennen in des heißen Durstes Pein,
Daß der Heiland sei am Kreuze nicht so ganz und gar allein.

Sie durchflicht die Dornenkrone sacht mit saftigdunklem Grün,
Daß die herben, scharfen Dornen wie im Maienglanze blüh’n,
Weich die Blätter legt sie leise auf des Dulders bleiche Stirn,
Wunden hüllend, Wunden stillend, die zerquälen Stirn und Hirn.

Und da von dem Kreuz erklungen jenes süße Wort: Vollbracht,
Wie das Weh, so die Erlösung! — sank auch sie in Todesnacht.
Treue Blume, schließ’ das Auge, welke nur, der Frühling lacht,
Der Karfreitag ist zu Grabe, und der Ostertag erwacht!

Als der Herr vom Grab erstanden, auch die Blume neu erblüht;
Wie sie frühlingssonnig duftet, wie sie frühlingsbunt erglüht!
Christi Schmerzen, Dornen, Nägel, die fünf Wunden trägt sie zwar,
Aber gleich des Heiland’s Wunden lichtverkläret wunderbar.

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