Ostergedichte

Großer Sabbat

Großer Sabbat! Himmelslüfte
Weh’n vom heilgen Grabe her
Über unsrer Liebe Grüfte
Wie ein stilles Friedensmeer.
Schmückt die Kammern unsrer Toten!
Laßt das zarte erste Grün
Und die weißen Frühlingsboten
Hier in frischen Kränzen blüh’n.

Ist es doch ein heilig Ahnen,
Was die Gräber heut bewegt,
Als ob Engel Wege bahnen,
Neues Leben, das sich regt.
Still, nur still! Des Schmerzes Fluten
Müssen heut in Hoffnung ruh’n;
Wie die heil’gen Frauen ruhten,
Laß auch uns am Sabbat ruh’n.

Frische Gräber, frische Wunden
Werden heute mild betaut;
Wenn der Erstling ist gefunden,
Einem Grabe anvertraut,
Der die vielbetränten Stätten
Weiht zum heil’gen Mutterschoß,
Drin wir unsre Lieben betten,
Wenn sich müd ihr Auge schloß.

Erstling aller, die da schlafen!
Deine heil’ge Grabesruh
Schließt am Grabe deinen Schafen,
Allem Leid die Türen zu;
In des großen Sabbats Schoße
Ruht die neue Schöpfung still,
Die der Ostertag der große
Selig offenbaren will.

Grabesfriede, tiefes Trösten,
Hauch aus Jesu Felsengruft
Weht die Seelen, der Erlösten
An mit ew’ger Lebenslust.
Du, der unsern Schmerz getragen,
Laß mit dir uns schlafen geh’n!
Gib auch uns nach heißen Tagen
Sabbatruh’ und Aufersteh’n.

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