Advent von Auguste Brockmann

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Leite ich zurück mein Denken,
Hin bis an der Kindheit Grenze,
Eine Zeit war mir im Jahre
Lieber noch, als die im Lenze.

Wohl hat mir die Maiensonne
Auch recht warm ins Herz geschienen,
Und ich sah mit stiller Wonne
In des Frühlings holde Mienen.

Doch die Freude am Erstehen,
An dem herrlichen Entfalten
War getrübt, und tiefe Wehmut
Wollte ganz sie niederhalten.

Unnennbares Wünschen, Sehnen
Hieß die Blicke weiter schauen,
Ungewürdigt mir zu Füßen
Grünten blumenreiche Auen.

Echtes, wahres Lenzempfinden,
Wie die Dichter es beschreiben,
Kann im Herzen, hochbegnadigt,
Wohl nur ganz und voll verbleiben. –

Wie so anders, wie so eigen
War mir’s, troß des Schneees Flocken,
Die des Winters Nah’n verkünden,
Tönten zum Advent die Glocken.

Wie gewandelt, wie gehoben,
Wie befreit von bangen Sorgen,
Ohne Schwermut im Gemüte
Fühlt‘ ich sicher mich, geborgen.

Und doch war zum Überfließen
Voll mein Herz, es zog ein Klingen
Durch die Seele mir, ich mußte
Langentwöhnte Lieder singen.

Und wohin ich sah und hörte,
Überall das frohe Hasten,
Ein verständnisinnig Blicken,
Freud’ges Grüßen, flücht’ges Rasten.

Dieses selige Erwarten,
Hier auf Freude, dort auf Gaben,
Welch ein Sinnen, Überlegen,
Wie ein krankes Herz zu laben.

Doch, die Zeit auf Windesschwingen
Flieht dahin, – warum solch Eilen!
Kann die schönste Zeit im Leben
Nimmer lange bei uns weilen? –

Ja, das schönste Fest im Jahre
Naht, zum Jubel, zum Entzücken
Aller Kinder, doch die Trauer
Will mich fast darnieder drücken.

Schönes Fest, wenn du gekommen,
Fühl‘ ich bei der Kerzen Leuchten,
Trotz erfülltem Wunsch und Hoffen,
Wie sich meine Augen feuchten.

Also ist’s mit jeder Freude,
Jedem Glück, das wir empfangen,
Wenn des Berges Höh‘ erstiegen,
Ist es abwärts bald gegangen.

Drum das selige Erwarten
Auf das Glück, von ihm ein Ahnen,
Ist das Schönste – und an solches
Will Adventgeläut mich mahnen.

Schönste, liebste Zeit des Jahres,
Könnte recht mein Lied dich krönen!
Möchte deiner Glocken Läuten
Immer mir im Herzen tönen.

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