Der Friedensbote

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Es stieg herab, den Friedensgruß zu bringen,
Der einst den Hirten auf dem Feld erschallte,
Ein Himmelsbote mit lichtweißen Schwingen
Und goldnem Haar, das schön in Locken wallte.

Sein Blick ist Freude und sein Herz ist Danken,
Auf seinen Lippen schwebt die süße Kunde,
Die er hinein will rufen in die Schranken
Arm-engen Lebens auf dem Erdenrunde.

Jetzt noch umfangen von erhabnem Schweigen,
Läßt er die Blicke schweifen zu den Sternen;
Bewundernd sieht er ihren ernsten Reigen
Und sieht sie wandeln durch endlose Fernen.

Der Erde kommt er näher, schon begrüßen
Ihn die Gestirne aus der Meere Spiegeln;
Auf einer Wolke rastend mit den Füßen,
Weilt er und blickt hinab mit ruh’nden Flügeln.

Da sieht er Scharen auf den Kampfplatz fliegen
Und Rufe der Verwünschung hört er schallen;
Die Todten sieht er unbegraben liegen,
Die in der blut’gen Feldschlacht sind gefallen.

Er sieht die Flamme Städt‘ und Dörfer lecken,
Jetzt niederducken sich, als wär‘ sie bange
Vorm Licht des Himmels, jetzt sich wieder recken
Empor mit Ingrimm, eine rothe Schlange.

Auf des zerstörten Herdes Trümmersteinen
Hört er die Frau’n und hört die Kinder klagen;
Im Elend sieht er die Verlaß’nen weinen
Um ihre Schützer, die der Krieg erschlagen.

Da wendet sich der Engel, daß er flüchte
Vom Ort des Grauens, aufwärts schwebt er wieder;
Und klagend wirft vor Gottes Angesichte
Und flehend sich des Himmels Bote nieder.

„Erbarmender, woll‘ Deine Blicke lenken
Voll Gnade zu den Menschen, die du schufest.
Sie werden zitternd Deiner Macht gedenken
Und deine Stimme hören, wenn du rufest.

Mein Mund ist machtlos, doch mich jammert ihrer;
O, daß sie wieder Deine Kinder werden,
Aus deiner Höh‘, allmächtiger Regierer,
Ruf‘ Du hernieder: Es sei Fried‘ auf Erden!“

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