Und als das Kind in der Krippe lag

Und als das Kind in der Krippe lag,
im ärmlichen Stalle,
und im Raum war nur Esels Odem
und des Ochsen Gedröhn.
Das Kindchen aber spielte mit einem goldenen Sonnenstrahle.
Der durch das Strohdach schlüpfte,
nur mit Staub, und doch so schön!
Da kamen die Kinder des Hirten gerannt,
das Kind in der Krippe zu sehen
und gleich den Engeln auf dem Felde,
den Herrgott zu loben.
Mit großen Augen blieben sie an der Schwelle stehn,
und die Kleinsten
hatten sich hoch auf den Zehen erhoben.
Da nahm ein kleines Mädchen seine Puppe am strohenden
Zopf und brachte sie dem Kinde,
ein anderes gab einen blanken Knopf,
und ein Junge hatte drei bunte Murmeln
aus Glas, die er gerade gewonnen.
Und jedes schenkte dem Kindlein was;
eine Weidenflöte, eine Peitsche,
einen Kreisel oder ein Krähenei.
Über alle Geschenke, die ihm die Hirtenkinder gebracht,
hatte das Gotteskind sich gefreut
und hatte leise gelacht.
Nur ein kleiner Hirtenjunge stand wehmütig dabei.
Er hatte rein gar nichts, dem Kinde in die Krippe zu geben.
Seine Mutter war Witwe, sie hatten kaum Brot
für das tägliche Leben.
Doch da fiel ihm etwas ein…
er schlich an die Krippe heran…
„Sieh mal Christkind, wie fein,
und wie lange ich das kann!“
Und er bückte sich tief…
tat den Kopf in den Sand…
und die Beine hoch…
und er stand und stand eine Kerze..
und rührte sich nicht…
blieb eisern stehen…
Der schmale Sonnenstrahl aber
beschien seine schmutzigen Zeh`n…
Nicht auf das reiche Geschenk kommt es an,
sondern aufs schenkende Herz,
selbst, wenn es, wie hier
bei dem kleinen Mann,
auf dem Kopfe steht!

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